Leute, ich will eines vorweg nehmen: Ich habe diesen Text vielleicht nicht zu 100% frei von Emotionen geschrieben. Aber eben weil wirklich ALLES, was in diesem Text vorkommt, TATSÄCHLICH so passiert ist. Also fast. Ein Satz ist eine Lüge – ich verrate gleich welcher.

Aber bitte der Reihe nach.

Ich bin neulich umgezogen. Und in der Straße, in der ich jetzt wohne, gibt es leider nur einen einzigen Anbieter für schnelles Internet: Leider, weil Vodafone. In wem dieser Satz schon so viel Mitleid ausgelöst hat – mir würde es so gehen, wenn ihr mir davon erzählen würdet – meine PayPal-Adresse für privates Schmerzensgeld gebe ich Euch gleich gerne am Bühnenrand.

Jedenfalls habe ich Internet von Vodafone. Und tatsächlich war dieser Satz die Lüge.

Korrekt ist: Ich sollte jetzt Vodafone haben.

Für die unter Euch, die den Prozess auf dem Weg zum eigenen Vodafone-Anschluss nicht kennen – erstmal: Herzlichen Glückwunsch.

Und dann diese Erläuterung: Um einen Vodafone-Anschluss zu bekommen, muss man erstmal online einen Vertrag mit Vodafone abschließen. Dann vergehen meiner Erfahrung nach zwei Wochen, in denen man drei E-Mails von Vodafone löschen muss, in denen man dazu aufgefordert wird, seiner Kundenzufriedenheit in einer Umfrage Ausdruck zu verleihen.

Und dann bekommt man eine vierte E-Mail in der steht, dass man telefonisch nicht erreichbar war.

Ohne dass vorher jemand versucht hat, einen anzurufen

Jedenfalls wird um einen Rückruf bei einem Subunternehmen, das den Anschluss im Auftrag von Vodafone vornimmt, gebeten. Da bekommt man dann einen Termin.

Und in der Zwischenzeit eine vierte E-Mail zur Kundenzufriedenheit von Vodafone.

Und zu diesem Termin wartet man dann vergeblich zuhause auf den Techniker. Natürlich hat man dafür einen Urlaubstag verbraten, weil Home Office kann man ja schlecht machen, während man auf den Techniker wartet, der das WLAN in der Wohnung installiert.

Wieso man vergeblich wartet? In meinem Fall war das so: Ich saß zuhause und habe, weil ich schon so eine Ahnung hatte, dass eventuell nicht alles klappen könnte bei meinem Termin mit dem Vodafone-Techniker, aus dem Fenster geguckt und Ausschau nach ihm gehalten.

Bis zehn Minuten vor dem Termin.

Bis zum Termin.

Bis zehn Minuten nach dem Termin.

 Dann klingelte mein Handy. 

Der Vodafone-Techniker war dran.

Und bevor ich aus dem Gespräch zitiere, ist es mir wichtig, noch einmal zu betonen, dass die eine angekündigte Lüge in diesem Text, bereits geschehen ist. Das folgende ist – und das ist mir wichtig – tatsächlich so passiert:

Der Techniker so: „Ihr Termin fällt aus.“

Ich so: „Aha. Warum?

Er: „Weil Sie nicht zuhause sind und die falsche Adresse angegeben war.“

„Doch ich bin zuhause.“

Er: „Nein.“

Ich winke aus dem Fenster.

Er: „Außerdem war die Adresse falsch.“

Wir gleichen die Adressen ab. Die angegebene Adresse war korrekt. Aber der dann folgende Satz des Technikers war sensationell: „Ich habe vor Ihrem Haus Ihren Vater getroffen, das ist doch so ein Mann, oder?“

Hier hatte er tatsächlich sogar Recht.

Doch dann fuhr der Techniker fort: „Und der Mann hat gesagt: Sie wohnen in einer ganz anderen Hausnummer.“

Mein Vater war zu diesem Zeitpunkt in einer völlig anderen Stadt.

Mein Vodafone-Techniker aber vermutlich auch. Insofern könnten sie sich schon tatsächlich getroffen haben – nur halt nicht vor meinem Haus. Naja.

Und falls ihr euch fragt, was passiert, wenn man nach so einem Erlebnis beim Vodafone-Subunternehmen nach einem neuen Techniker-Termin fragt: Nichts. Die haben ja versucht mich anzutreffen – nur halt so schlecht, dass sie es nicht geschafft haben, obwohl ich sogar aus dem Fenster geschaut und gewunken habe. Damit sind sie dann aber trotzdem raus. Beziehungsweise in ihrer verdienten Pause. Und man muss Vodafone neu beauftragen. Die sollen ja auch etwas davon haben.

Gleichzeitig geht die fünfte E-Mail zur Kundenzufriedenheit in meinem Postfach ein.

Ich aber wollte auch eine Pause von Vodafone Subunternehmen. Deswegen wollte ich nicht in einem von Vodafone-beauftragten Callcenter anrufen. Also hab ich den Vodafone-Kundenchatbot TOBi angeklickt. Näher an echte Vodafone-Mitarbeiter*innen kommt man als Vodafone-Kunde schließlich nicht. TOBis erste Nachricht an mich – kein Witz: „Ihr Chat wurde beendet.“

Falls jemand von Euch Angst hat, dass KI Euren Job wegrationalisiert: TOBi von Vodafone zumindest nicht. Also außer ihr seid wirklich extrem schlecht in Eurem Beruf. Keine Ahnung. So gut kenne ich Euch ja nicht.

Zweiter Versuch mit TOBi, dieses Mal darf ich tatsächlich mein Anliegen schildern: Der KI erklärt, worum es geht und dass ich mein Anliegen gerne schriftlich bearbeiten lassen möchte. TOBi antwortet: „Das verstehe ich.“ Es folgen drei Punkte, in dem die KI die genaue Antwortet berechnet und dann die zweite Antwort: „Am besten bearbeiten wir Dein Anliegen telefonisch.“

Nochmal: Die eine Lüge, die ich in diesen Text eingebaut hatte, war schon vorher. Viel weiter vorher. AUCH DAS IST WIRKLICH SO PASSIERT.

TOBi bietet mir dann noch an, dass ich einen Rückruf mit dem Callcenter vereinbaren könnte. Und ich knicke ein. Vodafone hat mich gebrochen – noch vor der sechsten E-Mail zur Kundenzufriedenheit. Kurz darauf klingelt mein Handy. Der vereinbarte Rückruf. Es meldet sich kein Callcenter-Subunternehmer, dafür eine Computerstimme. Sie sagt: „Ihre voraussichtliche Wartezeit beträgt 45 Minuten.“

Bei einem Rückruf. 

Der Deutschen Bahn wird auch viel Unrecht getan.

Ich habe an der Stelle übrigens aufgelegt. Mein Opa sagt immer: „Internet, brauche ich nicht.“ Und es gibt ja auch wirklich viele Bücher. Manche davon sind sogar richtig dick. Die kann man super Vodafone-Manager*innen an den Kopf werfen. Oder lesen – zumindest solange noch nicht die AfD regiert.

Apropos Problempartei: Immerhin weiß ich jetzt, dass die FDP lügt, wenn sie sagt: „Der Markt regelt.“ Weil ganz ehrlich, Leute, wenn der Markt tatsächlich regeln würde, dann gebe es Vodafone nicht mehr.

Dieser Text hier übrigens ist eigentlich gar nicht für einen Poetry Slam entstanden.

Er war meine Antwort auf die siebte Vodafone-E-Mail zur Kundenzufriedenheit.