Ich habe ein Krippenspiel geschrieben. Hier könnt ihr es nachlesen. Und gerne dürft ihr es auch inszenieren – aber sagt dann bitte Bescheid. Außerdem könnt ihr das Stück als Heft mit Bildern bei mir bestellen, als kleines Weihnachtsgeschenk. Ich wünsche Euch viel Spaß damit!
Rollen
Caspar, Melchior, Baltasar:
Kim (der König über den Niemand sprach):
Erzähler*in:
Maria, Josef:
Engel:
Hirte 1, Hirte 2:
Vorspiel
-Lied: Ihr Kinderlein kommet-

Szene 1
Kim und der/die Erzählerin sitzen in der Mitte des Altarraums und unterhalten sich.
Erzähler*in: Endlich Heiligabend! Und meine Güte, ist es kalt geworden. Da macht es wirklich keinen Spaß hier zu sitzen und darauf zu warten, dass endlich alles losgeht. Und irgendwie ist auch endlich alles vorbei. Dieses Jahr, meine ich, mit all seinen Krisen, dem ganzen Stress. Weißt Du, was ich meine?
Kim nickt etwas genervt.
Erzähler*in: Auch wenn es eine ganz schön stressige Zeit ist und heute sowieso ein ganz schön stressiger Tag. Findest Du nicht auch Kim?
Kim (wird wütend): Jedes Jahr aufs Neue sitzen wir hier und ich höre immer die gleichen Worte. Weihnachten soll es werden. Ein neues Jahr soll kommen. Und die Weihnachtsvorbereitungen sind viel zu stressig. Jedes Jahr die gleiche Leier!
Erzähleri*in: Aber Kim, so ist es doch nun einmal. Es wird Weihnachten. Und das heißt: Alles muss geputzt werden, alle Geschenke müssen besorgt und eingepackt werden, der Baum.. das Essen… Ich meine, es soll ja alles perfekt sein. Und deswegen sitze ich dann auch jedes Jahr hier und denke: Mensch, hätte ich doch früher angefangen. Hab ich aber nicht. Und nun sitzen wir hier auf den Stufen vor dem Spielzeuggeschäft und warten darauf, dass es endlich aufmacht, damit ich das letzte Geschenk vom Wunschzettel auch noch besorgen kann.
Kim: Stooooooopp!! Halt! Schluss! Ich kann es nicht mehr hören.
Erzähler*in: Was ist denn los?
Kim: Ich höre nur, was Du alles musst, was Du für einen Stress hast, was erledigt werden muss… Das ist nun wirklich der Gipfel!
Erzähler*in (sieht Kim schockiert an): Aber was meinst Du denn Kim? So ein Fest vorzubereiten ist nun einmal wirklich ganz schön aufwändig. Das kannst Du mir glauben!
Kim: Ich glaube eher, dass du mit dem Fest heute nicht wirklich was am Hut hast. Wenn das Feiern dieses Tages für Dich so viel Stress bedeutet, dann, glaube ich, war eher alles vergebens, was damals geschehen ist. Wofür das alles geschehen ist.
Erzähler*in: Ich verstehe nicht…
Kim: Ich werde es dir erzählen. Oder besser noch: ich werde es euch allen zeigen.
-Lied: Es ist für uns eine Zeit angekommen-
Szene 2
Erzähler*in und Kim sitzen weiter im Altarraum.
Caspar, Melchior und Balthasar kommen den Mittelgang entlang und winken Kim zu.
Kim (zu Erzähler*in): Also Du weißt ja, es begab sich alles zu einer Zeit, als Quirinius Statthalter von Syrien war. Aber viel wichtiger als dieser Typ mit dem schwer auszusprechenden Namen sind zum Beispiel die drei, die da hinten kommen! (er deutet auf die Könige im Mittelgang) Das sind Freunde von mir. Ich sag ihnen mal gerade kurz hallo. Pass gut auf.
Kim geht den drei Königen entgegen.
Erzähler*in stellt sich derweil auf die Kanzel.
Erzähler*in (zur Gemeinde): Ich verstehe nicht, was Kim vorhat. Was sind denn das jetzt für Leute?
Kim: Hallo ihr drei! Endlich treffen wir uns.
Caspar: Endlich treffen wir uns?
Melchior: Wer bist Du?
Balthasar: Und was meinst Du damit?
Kim (sieht sie schockiert und traurig an): Na, ich bin es! Kim! Der vierte König. Der König, über den nie einer spricht. Habt ihr mich wirklich auch vergessen?
Caspar Melchior und Balthasar sehen sich unschlüssig an, zucken mit den Schultern und sagen gleichzeitig: Nein! Natürlich nicht!
Erzähler*in (zur Gemeinde): Das habe ich ja noch nie gehört, ein vierter König?! Die drei anderen kenne ich. Und die sehen ehrlich gesagt auch ein bisschen überrascht aus. Aber das könnte jetzt hier spannend werden – oder, was meint ihr?.Vielleicht sollte ich mir die Zeit nehmen und mir Kims Geschichte ansehen.
Die drei Könige und Kim laufen durch die Kirche.
-Lied: Stern über Bethlehem-
Szene 3
Caspar, Melchior und Balthasar kommen gemeinsam mit Kim im Altarraum an.
Die Könige positionieren sich mittig, Kim etwas abseits am Rand.
Der Engel steht auf der Kanzel.
Engel: Wir schreiben ein Jahr..das äh.. weit, weit zurück liegt. Es ist der Abend, an dem Jesus geboren wurde. Heute nennen wir den Abend Heiligabend. Gleich machen sich alle auf den Weg, um herauszufinden, was los ist. Als erstes werde ich den Hirten erscheinen. Aber vorher, finde ich, sollte zur Feier des Tages noch ein besonders heller Stern leuchten. Das krieg ich hin. Moment.
Der Stern, der von der Kirchendecke herunterhängt, wird eingeschaltet oder beleuchtet.
Engel: Das ist doch was. Und wie es an dem Abend weiterging, könnt ihr jetzt alle selber sehen.
Engel geht ab.
Caspar (zeigt auf den Stern): Seht mal da, der helle Stern! Das kann nur eins bedeuten: Der Heiland, der Retter der Welt, ist geboren. Wir müssen ihn finden, ihm huldigen.
Melchior: Aber ja. Wir müssen vor allen anderen da sein. Es wird sicher nicht lange dauern, bis auch Hirten und Gastwirte, Kinder und Kranke und was weiß ich was noch für Leute von diesem Wunder erfahren.
Balthasar: Wunder, Wunder. Zunächst ist es ein Kind. Vermutlich noch nicht einmal königliche Abstammung. Wer weiß das schon..
Melchior: Es muss ein Wunder sein. Schau dir den Himmel an. Die Sterne leuchten heller als jemals zuvor. Ich werde losgehen und ihn mit Gold überhäufen.
Balthasar: Wenn du das sagst, dann werde ich Kostbarkeiten mitbringen, die Dein Gold sogar noch überstrahlen! Weihrauch vielleicht.
Caspar: Und ich werde dann die größte aller Kostbarkeiten mitbringen. Größer als eure es je sein könnten! Myrrhe nämlich. Die ist so besonders, dass bis heute niemand so genau weiß, was das eigentlich ist. Ha!
Melchior: Wenn dieses Kind der Erlöser der Welt ist, dann muss es mächtig sein. Mächtiger als Herodes. Vielleicht auch reich. Bestimmt sogar reich. Wir sollten uns von unserer besten Seite zeigen.
Caspar: Ich werde links herum, Richtung Bethlehem gehen. Da werde ich schneller sein, als ihr.
Balthasar: Nein, rechts ist der schnellste weg. Direkt vorbei an den Feldern. Ich werde schneller da sein als ihr.
Caspar: Vielleicht auch geradeaus, direkt durch den Wald? Vielleicht ist das der schnellste Weg.
Kim steht am Rande des Geschehens und schüttelt den Kopf.
Kim (Hebt die Hände, um auf sich aufmerksam zu machen): Leute, Leute! Wir sollten gemeinsam gehen. Und wir sollten jeden, der unseren Weg kreuzt, mitnehmen. Mächtig und reich soll er sein? Ich wünschte, er wäre barmherzig. So hätten wir alle was davon.
Balthasar (lacht und hält sich den Bauch): Was interessieren mich denn die anderen? Barmherzig soll er sein! Was wäre das für ein König der Welt? Nein. Du bist doch verrückt.
Melchior: Aber wenn wir gemeinsam gehen wollten, Kim, welchen Weg schlägst Du vor?
Kim: Hm.. Ich denke, ich gehe den Weg, auf dem ich viele Menschen treffen und mitnehmen kann. Der Retter der Welt kommt immerhin zu allen, nicht nur zu uns Königen! Ich denke, ich werde dem Weg der Sterne folgen. Diesem Stern dort!
Kim zeigt auf den Stern
Kim: Ein solch heller Stern muss doch irgendwas zu bedeuten haben.
-Lied: Kommet ihr Hirten-
Szene 4
Kim steht allein im Altarraum
Kim: So kann das doch alles nichts werden. Der Erlöser der Welt soll doch für uns alle sein. So muss es doch sein. Ich werde gehen und sehen, dass ich noch andere finde. Menschen, die genauso fühlen wie ich..
Kim geht durch den Mittelgang ab.
Die Hirten betreten den Altarraum.
Hirte 1: Eine wunderschöne, klare Nacht ist das heute, nicht wahr?
Hirte 2: Es scheint, als liege etwas in der Luft.
Der Engel betritt die Kanzel
Engel: Fürchtet euch nicht. Siehe, ich verkündige euch Große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr. Ihr werdet finden, dass Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. Macht euch auf! Geht los, findet das Kind und seht selbst, welch großes Wunder in dieser Nacht geschehen ist.
Hirte 1 : Wie aufregend! Du hattest Recht, es liegt etwas in der Luft. Wir müssen gehen, wir müssen los, um dieses Wunder zu sehen. Nun komm schon!
Hirte 1 zerrt an dem Arm von Hirte 2
Hirte 2: Ich will ja auch gehen, aber nun warte doch ! Wohin sollen wir gehen? Welcher Weg führt uns hin? Wir sind einfache Hirten, wir können keine Karten lesen.
Engel (räuspert sich): Ich war auch noch nicht fertig! Seht ihr dort oben den hellen Stern? Dem müsst ihr folgen. Den ganzen Weg bis nach Betlehem. Und dort werdet ihr das Kind dann finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. Das schafft ihr, Leute. Da bin ich mir ganz sicher.
Der Engel geht ab
Hirte 1 (zeigt in den Himmel): Okay, dieser Stern ist wirklich hell. So etwas helles habe ich noch nie gesehen.
Hirte 2: Und so schön! Dieser Stern ist auch das schönste, das ich jemals gesehen habe!
Hirte 1: Da hast Du Recht. Meinst Du, wir schaffen es, dem Stern bis nach Betlehem zu folgen?
Hirte 2: Der Engel hat gesagt, dass wir es schaffen können. Und er wäre uns doch niemals erschienen, wenn es nicht so unglaublich wichtig für uns wäre.
Hirte 1: Du hast Recht. Komm, wir nehmen unser Schicksal in die Hand und probieren es!
Die Hirten gehen durch den Mittelgang ab.
-Lied: Vom Himmel hoch da komm ich her-
Szene 5
Erzähler*in und Kim stehen im Altarraum
Kim: Und? Wie gefällt es Dir bisher?
Erzähler*in: Es ist ganz schön spannend. So viel steht fest. Aber es ist auch… irgendwie… ich weiß nicht… unterschiedlich?
Kim: Du meinst, dass die Könige und die Hirten so ganz anders auf die Botschaft Jesu Geburt reagieren? Ja, das ist mir auch schon aufgefallen.
Erzähler*in: Die Hirten sind so zuversichtlich. Sie freuen sich auf das, was kommt und haben Vertrauen in das, was ihnen erzählt wird und in ihre Fähigkeiten. Den Königen geht es irgendwie nur um sich selbst. Das ist doch schade.
Kim: Findest Du? Mir kommt es irgendwie bekannt vor.
Erzähler*in: Was meinst Du?
Kim: Ach, das merkst Du schon noch. Ich muss jetzt erstmal losgehen und den drei Königen dabei helfen, dass sie auch noch ans Ziel kommen.
Erzähler*in: Das ist eine gute Idee. Ich bin schon ganz gespannt, wie es mit ihnen weitergeht. Viel Erfolg!
Kim stellt sich vor den Altarraum und wartet auf die drei Könige.
Am Ende des Mittelgangs gehen Caspar, Melchior und Balthasar los.
Erzähler*in stellt sich an den Rand des Altarraums und sieht zu.
Melchior: Bin ich froh, dass wir doch wieder zusammen unterwegs sind. Auch wenn ich es nicht verstehe. Wir drei haben unterschiedliche Wege eingeschlagen, sind in drei völlig entgegengesetzte Richtungen gelaufen und sind doch wieder aufeinander getroffen.
Balthasar: Der Stern leuchtet hier eben am hellsten, ich denke, wir sind fast am Ziel. Der Weg war eine echte Katastrophe. Wir hätten von Anfang an zusammen gehen sollen.
Caspar: Unsinn. Ich bin sicher, ich wäre schon vor Stunden hier gewesen, wenn ich mir nicht ganz schlimm den Fuß gezerrt hätte.. Hier, seht nur. Es ist der rechte..ach äh.. der linke.. Naja, jedenfalls einer von beiden.
Balthasar: Vermutlich wird Kim noch tagelang unterwegs sein, wenn er wirklich noch sämtliche Menschen auf seinem Weg ansprechen und mitnehmen will…
Caspar: Und nicht nur, dass er ewig brauchen wird. Das einfache Volk mit zum Erlöser der Welt mitzunehmen ist doch auch so vollkommen verrückt!
Melchior (lacht): Na, wenn ihr euch da mal nicht täuscht. Seht nur! Kim ist schon da.
Die drei Könige kommen bei Kim an, der sie alle mit Handschlag begrüßt.
Kim: Hallo, Freunde, wie war eure Reise?
Melchior: Beschwerlich.
Balthasar (zeigt auf Caspar): Caspar hier hat sich sogar den Fuß verzerrt.
Kim: Oh je, welchen denn?
Caspar (schaut nervös auf seine Füße): Naja, einen von den beiden.
Kim: Ich verstehe. Aber jetzt seid ihr ja hier. Der Stern hat auch euch hergeführt. Es ist ein Wunder!
Die Könige nicken.
-Lied: Tochter Zion, freue Dich-
Szene 6
Maria und Josef sitzen an der Krippe, Kim und die Hirten knien davor
Josef: Wie wunderbar, dass ihr gemeinsam hier seid. Ein König, gemeinsam mit Hirten. Genauso soll es sein. Kommt! Schaut unser Kind an.
Maria: Dies ist ein ganz besonderes Kind, er heißt Jesus.
Josef: Ihr habt doch sicher schon von ihm gehört. Jesus bringt die Liebe in die Welt zurück.
Maria: So ist es. Die Liebe, die Wärme und die Barmherzigkeit. Er ist Gottes Sohn und der Erlöser der Welt.
Die drei Könige betreten den Altarraum
Kim steht auf und geht auf sie zu
Kim: Meine drei Freunde! Auch ihr habt es geschafft. Nun kommt, bei den Hirten ist noch Platz. Und seht, nein, spürt, was dieses Kind uns Menschen schenken wird.
Caspar (kniet sich vor die Krippe): Es ist nicht zu beschreiben. Ein Kind, so klein und in einem solch ärmlichen Stall, vermag es eine solche Hoffnung und Wärme auszustrahlen. Ich kann es nicht glauben.
Balthasar (kniet sich vor die Krippe): Und wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wer die besten Geschenke mitbringt. Und wer als erster hier ist. Jetzt wo ich das Kind sehe, schäme ich mich dafür.
Melchior (kniet sich vor die Krippe): Ich freue mich, dass die Hirten zuerst hier waren. Denn dieses Kind wird uns alle gleich machen. Niemand soll mehr besser oder schlechter sein als der andere. Aber sag, Maria, warum liegt der Erlöser unserer Welt überhaupt im Stall?
Maria: Naja, es gab keinen Platz mehr in einer der Herbergen, Ihr wisst doch… die Volkszählung und so. Aber wenn es mein Sohn es sogar hier schafft, dieses Gefühl in euch auzuslösen und sogar die Könige mit den Hirten zu vereinen, nun dann ist das vielleicht doch genau der richtige Platz für ihn.
Josef: Und so tragt es weiter. Erzählt es allen.. und erinnert euch immer an das, was ihr heute erfahren habt.
Hirte 1 und Hirte zwei gemeinsam: Das machen wir!
Caspar und Balthasar gemein: Wir auch!
Melchior: Wir machen es alle zusammen.

Szene 6
Die Kinder bleiben in den vorherigen Positionen
Erzähler*in betritt den Altarraum, Kim stellt sich daneben.
Erzähler*in: Wahnsinn Kim.. du hast all das schon verstanden, als die anderen noch gar nicht wussten, was da geschehen ist!
Kim (lacht): Ach, das ist ja auch einfach, wenn man live dabei gewesen ist. Viel wichtiger finde ich: Hast du es jetzt auch verstanden?
Erzähler*in: Ja, ich habe es verstanden. Ich denke, wir alle haben das.
Kim: Nur darum geht es. Das Kind. Die Barmherzigkeit. Unsere Hoffnung auf Frieden und Liebe. Das wünsche ich Dir!
Erzähler*in: Ich Dir auch. Frohe Weihnachten.
Die Kinder stellen sich alle vorne im Altarraum auf
Alle sagen gemeinsam: Frohe Weihnachten!
-Lied: Stille Nacht, heilige Nacht-