Es gibt keine Serie, zu der ich ein so nostalgisches Empfinden habe, wie zu Scrubs. Als die Folgen rauskamen, war ich ein Kind und habe sie mit einer Tante angeschaut – bei Übernachtungen. Als ich meine Frau kennengelernt habe, haben wir die Serie noch einmal durchgeschaut (die ganze Serie, alle acht (!) Staffeln) und festgestellt, dass sie wirklich ziemlich gut gealtet ist. Letztes Jahr haben die Macher*innen von Scrubs eine neue Staffel angekündigt. Und ich hätte in dem Moment verdammt gerne eine Zeitmaschine gehabt. Denn die neuen Folgen Scrubs haben wir zwar nicht verdient – aber so sehr gebraucht.

Jetzt hat die Veröffentlichung der neuen Staffel begonnen und ich habe bislang nur Ausschnitte gesehen. In einem sagt ein Assistenzarzt zu J. D.: „Lachen ist die beste Medizin“, woraufhin J. D. ihn ernst ansieht und trocken antwortet: „Eigentlich ist immer noch Medizin die beste Medizin“. Und das lässt mich darauf hoffen, dass diese neue und neunte Staffel Scrubs wieder am Puls der Zeit, klug und verdammt lustig sein wird. Ich freu mich so sehr darauf, sie durchzugucken – mit Tante und Freundin.

Heute Nachmittag habe ich aber erstmal ein Gedicht darüber geschrieben, warum ich diese Serie so mochte und warum ich glaube, dass die neue Staffel wirklich wichtig sein kann. J. D., Turk, Carla, Elliot und Dr. Cox – unterschiedlicher können Menschen kaum sein und trotzdem reißen sie sich alle zusammen, um Gutes zu bewirken. Immer und immer wieder. Trotz aller Konflikte, die sich aus ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten ergeben. Man muss nicht mit allen Leuten zusammenarbeiten – mit AfD-Leuten zum Beispiel niemals. Aber wir müssen auch aufhören, uns gesellschaftlich weiter auseinandertreiben zu lassen. Denn damit verlieren wir alle – naja fast, die gerade schon erwähnten AfD-Leute zum Beispiel gewinnen dabei.

Aber weil es niemals cool ist, wenn der Autor seinen eigenen Text erklärt, höre ich damit jetzt auf. Vielleicht teilt ja jemand meine Vorfreude auf die neuen Folgen Scrubs, meinen Weltschmerz und meine Verbissenheit, mich trotz allem nicht unterkriegen zu lassen – und falls ja, dann ist dieses Gedicht für Dich:

Ich schalte abends einfach ein,
die Nachrichten zieh ich mir rein.
Trump redet wieder viel von Macht,
Putin hat Grenzen neu gedacht.

Im Ticker unten läuft ein Krieg,
in Bildern, die man täglich sieht.
Ein Sprecher sagt es kühl und knapp,
als spule man nur Fakten ab.

Dann kommt das Wetter: Hitzerekord.
Ein Wald brennt weiter, hier und dort.
Doch ein Experte sagt im Bild,
der Markt regelt das ganz mild.

Ich bleib noch sitzen, schau es an,
weil man ja sonst nichts machen kann.
Man denkt an Hoffnung – traut sich kaum,
als wär sie nur ein Kindertraum.

Doch danach ein kurzer Spot,
„Neue Folgen Scrubs“ im Abendblock.
Wir haben das nicht verdient, ich weiß,
doch wir haben es gebraucht — hier der Beweis.

J. D. ruft laut: „Ich fliege!“ – klar,
Turk lacht und macht den Unsinn wahr.
Carla sagt trocken: „Bambi, echt?“
Elliot zweifelt sich zurecht.

Und Dr. Cox in scharfem Ton
zerlegt die Welt so zur Lektion.
Zwanzig Minuten Sacred Heart,
und alles wirkt nicht ganz so hart.

Jede Folge tut uns gut,
bei all dem Lärm und all der Wut.
Kein Ende von dem Weltenstreit,
doch eine kleine Zwischenzeit.

Und wenn dort selbst im Klinikgang
aus Streit am Ende Nähe klang,
dann zeigt das mehr als nur Humor:
Man kommt doch nur gemeinsam vor.

Gegen Klimaleugner, die’s vernein’n,
gegen Kriegstreiber, die laut schrei’n.
Gegen Männer, die Frauen hassen,
die Freiheit nur für sich erfassen.

Gegen Rechte, die uns trennen,
und Vielfalt nur als Feind benennen,
die Angst für ihre Zwecke nutzen,
statt das Miteinander rauszuputzen.

Vielleicht wär die Welt ein bess’rer Ort,
wenn wir uns fänden hier und dort.
Verschieden, streitbar, unbequem,
doch alle Teil vom selben Team.

„But I can’t do this all on my own
No, I’m no, I’m no Superman“

Doch Scrubs zeigt uns in jeder Saison:
Wir sind viele — nur noch nicht in Formation.