Meine Großeltern – alle vier – waren Kugelbrüder und -schwestern. Meine Eltern auch. Und mindestens ein Cousin. Kegeln. Es hängt so viel Klischee daran und – wenn ich ehrlich bin – auch etwas Nostalgie. Ich hab darum (und bevor wir heute, am Todestag einer meiner Großmütter, zum ersten Mal seit Jahren wieder Kegeln gehen) ein Gedicht über den Ort des Geschehens geschrieben: Die Bundeskegelbahn. Meist hocken da immer die selben. Aber eigentlich ist Kegeln ein fetziger Sport. Wäre doch schon, wenn er nicht aussterben, sondern vielfältiger werden würde. Darum hier jetzt für euch mein Gedicht:
Im Keller unter Kneipenschein,
wo Linoleum die Schritte dämpft,
zieht gelbes Licht in Bahnen ein
und jedes Lachen widerkämpft.
Die Wände tragen Wappen stolz,
verblasst vom Rauch vergang’ner Jahr’,
im Schrank Pokale aus Messingholz,
ein Kranz von Ehren, staubig, klar.
Die Tische kleben leicht vom Spiel,
vom Herd zieht Duft durch jeden Flur,
es riecht nach Braten, deftig, viel,
aus der Jukebox Schlager, Pur.
Ein Duft aus Bier und kaltem Rauch
liegt schwer im Raum aus Holz und Stein,
man hört das Rollen, dumpf und rau,
ein sattes Klacken – Kegel fall’n.
Und dann dies Wort, so lang, so rund,
als wär’s im Amt einst ausgedacht:
Bundeskegelbahn – mit festem Mund
und deutscher Gründlichkeit gemacht.
Es klingt nach Stempel, Dienst und Pflicht,
nach Formular und Fahneneid,
nach Aktenordner, Neonlicht
und Pünktlichkeit zur Abendzeit.
Und doch, sobald die Kugel rollt
und jemand ruft: „Jetzt bist du dran!“,
zerbricht der Ernst, der eben grollt,
in Jubel, der verbinden kann.
Hier stehen Jung und Alt im Kreis,
die Nachbarin, der neue Mann,
man duzt sich schnell bei Bier und Schweiß,
weil jeder hier gewinnen kann.
Man kennt sich oft seit langer Zeit,
vom Stammtisch her, vom selben Ort,
die Runde wirkt in Einigkeit,
vertraut im Ton, im Blick, im Wort.
Man wünscht sich öfter neuen Klang,
Gesichter, die noch unbekannt,
und wer sich wagt, tritt rasch heran
greift dann die Kugel mit fester Hand.
Denn rollt sie erst, so zählt kein Stand,
kein Titel und kein alter Schwur,
nur Holz und Bahn und ruhige Hand
und dieser eine, gleiche Wurf.
So mag es staubig wirken, klein,
nach altem Holz und frühem Lied,
doch unter Rauch und Lampenschein
wächst etwas, das man selten sieht:
Es bringt die Bahn, was schlicht beginnt,
im Klackern, Lachen, hellem Chor,
die Menschen näher, Frau und Kind,
und trägt ihr Miteinander vor.
Also pack alle Freund*innen mit ein,
bring Mut und Neugier gleich mit an,
vielleicht wirkt’s alt im Lampenschein,
doch wir sehn uns – auf der Bundeskegelbahn.